Vertrauensstufen 1-4
JESSICAS KOLUMNE
Vertrauen ist Teil meines Alltags. Wenn ich morgens nach dem Lichtschalter taste, erwartungsvoll unter der Dusche stehe und meine Tasse strategisch platziere: Ich vertraue darauf, dass das Licht die Dunkelheit verdrängen, mich das Wasser erfrischen und der Kaffee genussvoll blubbern wird. Stufe 1 des Vertrauens: kein Problem!
Darauf vertrauen, dass ich in jeder Vertrauensstufe gehalten bin.
Stelle ich abends den Wecker, vertraue ich darauf, dass er mich zur gewünschten Zeit weckt. Und der Zug wird mich zweifellos ans Ziel führen. Stufe 2 des Vertrauens: ebenfalls kein Problem!
Auch mein Leben vertraue ich täglich fremden Menschen und Dingen an. Etwa beim Einsteigen in eine Gondel. Und auf der Strasse hängt meine Sicherheit von zahlreichen Verkehrsteilnehmern ab. Stufe 3 des Vertrauens: solange ich nicht über mögliche Konsequenzen nachdenke... in der Regel auch kein Problem!
Doch weshalb fällt mir das Vertrauen im Alltag so leicht, im Glauben aber manchmal so schwer? Zweifellos: Ich weiss, dass Gott vertrauenswürdig ist. Dass Er mich liebt. Mich kennt. Den perfekten Plan für mich hat. Und so vertraue ich Ihm. Bedingungslos. Naja, dies in der Theorie. In der Praxis fällt es mir immer mal wieder schwer, die Kontrolle loszulassen. Dann möchte ich meinem Schicksal etwas nachhelfen. Stufe 4 des Vertrauens: doch nicht so einfach wie gedacht.
Dazu eine Erinnerung aus meinem Stride in Nicargua, wo ich als Lehrerin arbeitete: In der Trockenzeit gab es nur morgens für kurze Zeit fliessendes Wasser. Als wir einen Schulausflug unternahmen, hatte ich – als vorbildliche Schweizerin – eine grosse Trinkflasche mit dabei. Schon nach kurzer Zeit klagten meine Schüler über Durst. Ich zögerte. Sollte ich mein Wasser teilen? Riskieren, dass ich dann selbst nicht genug hatte? «Seht euch die Vögel an! Sie säen nichts, sie ernten nichts und sammeln auch keine Vorräte. Euer Vater im Himmel versorgt sie. Meint ihr nicht, dass ihr ihm viel wichtiger seid?», verspricht Jesus in Matthäus 6:26. «Nun dann Jesus, will ich mein Wasser teilen und darauf vertrauen, dass du für mich sorgst.» Nein, eine Wasservermehrung gab es nicht. Die Flasche kehrte leer zu mir zurück. Und jetzt? Als wir am Ziel ankamen, entdeckte ich einen Wasserhahn. Erwartungslos drehte ich ihn auf, denn um diese Zeit sollte er kein Wasser führen. Doch das Wasser floss! Für mich ein Wunder.
Wenn Gott mich so mit Wasser versorgt, dann darf ich darauf vertrauen, dass Er auch alle meine anderen Lebensthemen im Blick behält. Stufe 4 des Vertrauens: Es klappt immer besser. Je mehr Erfahrungen ich mit meinem Gott mache und je näher ich Jesus Christus bin.
Jessica Freiburghaus