ENTRE DOS MUNDOS - ZWISCHEN ZWEI WELTEN: Woher kommst du?
Jeremy (rechts) mit seinen Eltern und seiner Schwester
Jeremy Zapata Hirsig ist als Sohn einer Schweizer Mutter und eines Kolumbianischen Vaters in Costa Rica aufgewachsen. Heute lebt und studiert er in Deutschland. Seine Familie - Eltern und Schwester - lebt in Chía, Kolumbien. Seine Eltern sind als interkulturelle Mitarbeitende bei Latin Link tätig. In seinen Beiträgen “Entre dos mundos - Zwischen zwei Welten” gibt er uns Einblicke in ein Leben zwischen zwei Welten.
An welchem konkreten Ort oder in welcher Situation fühlst du dich momentan am meisten„zu Hause“: in der Schweiz, in Lateinamerika, in Deutschland oder vielleicht irgendwo dazwischen?
Es gibt einen allgemein bekannten Spruch, der besagt, dass Missionare und Menschen aus einer «Dritten Kultur» sich am Flughafen am wohlsten fühlen – gerade dann, wenn sie aus dem Land, in dem sie leben, in ihre Heimat reisen oder umgekehrt.
Es fällt mir schwer, genau zu sagen, wo ich mich am wohlsten fühle. Ich fühle mich in Costa Rica, Kolumbien und in Deutschland zu Hause und schätze meine Zeit an diesen Orten fast gleichermaßen. Meiner Meinung nach wird das Gefühl, zu Hause zu sein, durch viele Faktoren geprägt. Die Lebensweise, das Klima und die Natur in Costa Rica sind mir am vertrautesten. Was die familiären Aspekte angeht, fühle ich mich in Kolumbien am meisten zu Hause, und was enge Freunde betrifft, fühle ich mich in Deutschland am wohlsten.
Die Technologie hat die Umzüge und die Kommunikation mit dem engsten sozialen Umfeld definitiv radikal verändert. Noch nie waren wir so stark mit dem Rest der Welt vernetzt wie heute. Ein Umzug ins Ausland ist heute nicht mehr dasselbe wie vor 30 Jahren. Ich erinnere mich noch daran, wie meine Eltern von den Zeiten erzählten, als man in die Schweiz nur von einer Telefonzelle aus für ein paar Minuten anrufen konnte.
Die Globalisierung erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit, ins Ausland zu ziehen, mindert aber gleichzeitig die Traurigkeit, die mit einem Umzug einhergeht, da der Kontakt zu den Menschen nicht vollständig verloren geht. Deshalb bin ich der Meinung, dass es in der heutigen globalisierten Welt einfacher ist, das Konzept von «Zuhause» so zu «hybridisieren», dass es sich gleichzeitig auf mehrere Orte bezieht. Das Wissen, dass ich über das Internet fast sofort mit meinen weit entfernt Liebsten kommunizieren kann, gibt mir ein Gefühl der Sicherheit und sorgt in gewisser Weise dafür, dass sich das Leben im Ausland nicht so entfremdend anfühlt und ich mich zu Hause fühlen kann. Deshalb könnte ich lustigerweise zu dem Schluss kommen, dass ich mich am Flughafen am meisten zu Hause fühle, während ich meine Familie anrufe.
Hat sich deine Antwort auf die Frage ‚Woher kommst du?‘ im Laufe der Jahre verändert, und wenn ja, wie?
Bevor ich nach Kolumbien gezogen bin, habe ich immer gesagt, ich käme aus Costa Rica. Jetzt, wo ich in Deutschland bin, hängt meine Antwort davon ab, wer mich fragt. Wenn ich einen Costa-Ricaner treffe, sage ich, dass ich auch von dort komme, und spreche mit costaricanischem Akzent. Wenn ich einen Kolumbianer treffe, sage ich, dass ich Kolumbianer bin, und spreche mit kolumbianischem Akzent. Wenn die Person aus einem anderen Land kommt, sage ich, dass ich Kolumbianer bin, da meine Familie dort lebt und es so einfacher zu erklären ist.
Jeremy Zapata Hirsig