ENTRE DOS MUNDOS - ZWISCHEN ZWEI WELTEN: Pura Vida in Deutschland
Jeremy (rechts) mit seinen Eltern und seiner Schwester
Jeremy Zapata Hirsig ist als Sohn einer schweizer Mutter und eines kolumbianischen Vaters in Costa Rica aufgewachsen. Heute lebt und studiert er in Deutschland. Seine Familie - Eltern und Schwester - lebt in Chía, Kolumbien. Seine Eltern sind als interkulturelle Mitarbeitende bei Latin Link tätig. In seinen Beiträgen “Entre dos mundos - Zwischen zwei Welten” gibt er uns Einblicke in ein Leben zwischen zwei Welten.
Welche persönliche Gewohnheit oder Einstellung aus Costa Rica hast du bewusst beibehalten und warum ist sie für dich unverzichtbar?
Wenn jemand in ein anderes Land zieht, ist es üblich, dass er seine Bräuche, seine Überzeugungen oder seine Kochgewohnheiten mitnimmt. Als ich nach Deutschland kam, fiel es mir leicht, das costaricanische „Pura Vida“-Gefühl beizubehalten. Es ist eine Denkweise, die dem Leben ein optimisches Lebensgefühl verleiht und dazu beiträgt, in Zeiten der Unsicherheit spontan das Positive zu sehen. Für mich persönlich ist es auch etwas Positives, Freunde aus Costa Rica oder Lateinamerika zu haben, sei es aus der Ferne oder persönlich. Das hilft mir, den Kontakt zu meinen Wurzeln, meiner Denkweise und meiner Sprache nicht zu verlieren, während ich in einem anderen Land bin und neue Lebensweisen kennenlerne. Das kann aber auch seine Schattenseiten haben. Wenn man zum Beispiel aus einem gefährlichen Land kommt, hat man sich angewöhnt, immer auf mögliche Diebstähle auf der Straße zu achten oder Fremden gegenüber misstrauisch zu sein. Immerhin herrscht „Pura Vida“ im Alltag.
Wenn du auf den Moment zurückblickst, als du den Entschluss in Deutschland zu studieren gefasst hast: Was war die grösste Angst, die du überwinden musstest, und was hat sich seitdem als völlig anders herausgestellt als erwartet?
Während der Vorbereitung und Einschreibung an der Universität kamen mir verschiedene Unsicherheiten bezüglich des Lebens in Deutschland auf. Zum Beispiel die Sorge, neue Kontakte knüpfen zu müssen, eine neue Glaubensgemeinschaft kennenzulernen sowie die kalten und dunklen Winter zu erleben.
Etwas Interessantes passierte, als ich versuchte, eine Wohngemeinschaft zu finden: Es stellte sich heraus, dass die Frau, die unser Haus in Costa Rica gekauft hatte, ebenfalls in derselben Stadt studiert hatte, in der ich studieren wollte. Sie vermittelte mir den Kontakt zu einer Gruppe christlicher Studierender dort, wo ich nach kurzer Zeit meinen zukünftigen Mitbewohner fand. Das war ein Segen und eine große Erleichterung, da die Wohnungssuche in dieser Stadt äußerst kompliziert war und die Wartezeit für eine Studentenwohnung bis zu einem Jahr betragen konnte. Die Türen öffneten sich für mich. Gleichzeitig bot sich mir die Gelegenheit, in meinen ersten Tagen in der Stadt neue Leute kennenzulernen.
Jeremy Zapata Hirsig